Innere Sicherheit
2009 | Scherenschnitt | Papier, Farbe, Leuchtstoffröhren | 220cm x 150cm
Von Februar 2009 bis Februar 2010 sind insgesamt vier künstlerische Arbeiten zum Thema Sicherheit entstanden: Innere Sicherheit, Definition Sicherheit, Altar und ninehappymuschis.
Alle Arbeiten finden ihren inhaltlichen Ursprung in einer Lesung der „Vagina Monologe“ in Schwerte, die ich mit drei anderen Frauen unter der Regie von Mehrdad Kameneh aufgeführt habe. Die „Vagina Monologe“ stellen, kurz gesagt, in verschiedenen (realen) Interviews Frauen unterschiedlichster ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft vor, die in teilweise schonungsloser Direktheit ihre Erfahrung mit der eigenen Sexualität und Weiblichkeit schildern.
So zeigt meine erste Arbeit Innere Sicherheit ein Selbstportrait mit meiner Hündin auf einem runden Bett, eingerahmt von Kissen, Decken, zahlreichen Mustern und Ornamenten. Geht man von der allgemeinen Definition der „inneren Sicherheit“ aus, so ist damit die Wahrung der Sicherheit innerhalb eines Staates indem seine Menschen leben, gemeint. Diese Sicherheit ist zu beschützen und notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen, denkt man an aktuelle politische Geschehnisse, in denen Terroranschläge und organisierte Gewaltverbrechen an der Tagesordnung sind und deren Ziel es ist, diesen sicheren und geschützten inneren Raum zu bedrohen.
Bezug nehmend auf den Titel „Innere Sicherheit“ erschließt sich bei intensiver Betrachtung eine komplexe Gefühlswelt, eine Welt auf der Suche nach der ganz persönlichen Inneren Sicherheit, die anscheinend nur in dieser intimsten Zone, dem eigenen Bett, zu finden ist. Aber es ist nicht nur der Ort an sich, sondern viel mehr ein mentaler Zustand in den es sich hineingewünscht und hineingeflüchtet wird, eine Art embryonaler Rückzugsort, ein Zustand kindlicher Geborgenheit und Reinheit. Auch ist der Hund nur sinnbildlich zu verstehen, vielmehr steht er hier für etwas Wölfisches, Beschützendes, Ur-Wissendes. Die amerikanische Psychologin Clarissa Pinkola-Estes spricht in ihrem Buch „Die Wolfsfrau“ von „… der Kraft der weiblichen Urinsinkte (…)“.
In diesem Bild ist es vielleicht genau diese Kraft, nach der es sich zu suchen lohnt- nämlich nach einer inneren Stärke und Selbstsicherheit. Vielleicht versinbildlicht ja auch gerade die Fragilität des Scherenschnitts, dieses zwar großen aber doch durchlässigen Netzes aus Linien und Krümmungen die Verletzbarkeit einer solchen inneren Sicherheit.


