Dortmunder Dokumentarfilmpreis 2011

des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund | Köln

Die Idee: Mein Entwurf zeigt die abstrahierte und überdimensionierte Form einer Lilienpolle. Die Lilie wird – neben ihrer eleganten Anmutung – als “ausdauernde, krautige Pflanze” beschrieben, die die Fähigkeit besitzt, “die Zwiebel bei Bedarf tiefer in die Erde zu ziehen, bis die ideale Tiefe erreicht ist.” Während meiner Entwurfarbeit hatte ich die langjährige Dokumentar-Filmemacherin Helga Reidemeister vor Augen. Mit journalistischer Ausdauer und Zielstrebigkeit gräbt sie sich unbeirrbar in ihr Thema ein, geht der Sache auf den Grund und bringt es für uns wieder an die Oberfläche. So heißt es in einem Auszug aus der Laudatio zur Ehrenpreisträgerin des neuen Dortmunder Dokumentarfilmpreises auch: “… Reidemeister dreht seit 40 Jahren ausschließlich Dokumentarfilme und nimmt sich konsequent brisanter Themen an. Im Zentrum ihrer Filme stehen dabei Menschen, die sich in schwierigsten Umständen nicht unterkriegen lassen. Beim Blick auf deren Biografien und Schicksale verliert sie nie die politischen und sozialen Implikationen aus dem Fokus. Für sie ist und bleibt das Private politisch.”

Die Form und das Material: Die Form meines Entwurfs nimmt das Weiche und Bauchige der Polle auf und steht im Kontrast zur strengen Sockelform. Dadurch ergibt sich bewußt ein Objektcharakter. Die ausgewählten Materialien – lackierte Wenge und 6 mm starker satinierter und trovalierter Edelstahl – stehen zunächst im Kontrast, die Härte des Stahls wird aber durch seine weiche Formgebung aufgehoben und von der Wärme des Wengenholzes getragen.

Maße: Objekt ca.15 cm x 9,5 cm x 0,6 cm | Sockel ca.16 cm x 7 cm x 6 cm

>>> Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln

 

Dortmunder Dokumentarfilmpreis des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln (IFFF) | 2011 | ______projekte | Comments (0)

Definition Sicherheit

DIE GROSSE Kunstausstellung NRW Düsseldorf

Vom 13. Februar bis zum 06. März 2011 stellt Jessica Toliver die Scherenschnitt-Installation Definition Sicherheit (6m x 1,5m) im Rahmen der Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf aus.

Museum Kunst Palast · Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5 · 40479 Düsseldorf
Öffungszeiten Di-So 11-18 Uhr · Do 11-21 Uhr

>>> PDF zum Download (ca. 2,1 MB)

mehr Infos unter www.DIEGROSSE.de

DIE GROSSE Kunstausstellung NRW Düsseldorf | 2011 | ___freie arbeiten |

Insgeheim wünschte sie sich

2010 | Acrylglas, Papier | 21cm x 26,5cm x 15cm

Für diese kleine dunkle Arbeit habe ich erstmals die Negativformen ausgelaserter Schnitte verwendet. Sie erinnert in ihrer Dreidimensionalität an Guckkasten-Bühnenbilder.

Wie bei den abstrakten Skizzenschnitten gibt es eigentlich kein konkretes Motiv, sondern Assoziationen werden weitergesponnen und im Kopf vervollständigt.

Insgeheim wünschte sie sich | 2010 | ___freie arbeiten |

ninehappymuschis

2010 | neun gerahmte Scherenschnitte | Papier, Blut, Lack, Stahlnägel, Taft | je 50cm x 50cm

ninehappymuschis ist die letzte Arbeit des Projektes Sicherheit.
Sie besteht aus neun gerahmten Scherenschnitten, die auf Stahlnägel mit leichtem Abstand in schwarzen, mit rauchgrauem Taft ausgeschlagenen Kastenrahmen ausgestellt sind.

Ähnlich den Schautafeln für Schmetterlinge haben die ninehappymuschis etwas Insektenartiges, Glänzend- Morbides an sich, strahlen eine ästhetisch- bedrohliche Eleganz aus. Es verbleibt beim Betrachter, welche Assoziazionen die skizzenhaften ninehappymuschis in ihm hervorrufen.

ninehappymuschis | 2010 | ___freie arbeiten |

Das erste Goldene Buch der Rohrmeisterei

Im Januar 2010 startete die zweijährige Kooperation Schlaraffenland zwischen der Rohrmeisterei und der Schwerter Künstlerin Jessica Maria Toliver. Während dieses Zeitraums positioniert sich die Künstlerin mit verschiedenen Einwürfen rund um das Thema Essen und Genuss, Überfluss und Üppigkeit, die künstlerisch jeweils eigenständig in sehr unterschiedlichen Medien und Formaten umgesetzt werden.

Wenn Sie sich ein Bild machen wollen: Im Nachbarhaus der Rohrmeisterei wurde eigens ein Showroom eingerichtet, in dem sich Interessierte nach Absprache ein umfassendes Bild von der Künstlerin machen können und in dem auch kleine Konferenzen und Gesprächsrunden in inspirierendem Ambiente stattfinden …


mehr Infos bei der >>> Rohrmeisterei

Das erste Goldene Buch … | 2010 | ______projekte |

Definition Sicherheit

Scherenschnitt-Installation | 6m x 1,5m

Die zweite Arbeit des Projekts Sicherheit ist eine 6m lange und 1,5m breite Rauminstallation aus Papier. Sie stellt verschiedene geschnittene Zitate des Wortes „Sicherheit“ aus der allgemein gültigen Version des „Brockhaus“ dar.

Die Installation ist, wie alle meine Schnitte, komplett aus einem Stück geschnitten und hält so in sich. Wie ein Teppich scheint sie durch den Raum zu schweben, unberührt und leicht, wie ein Netz aus Worten, daß in der Dichte erst seine Bestimmung erfährt.

Definition Sicherheit | 2009 | ___freie arbeiten |

Auf-Um-Bruch

2009 | Dreiteilige Installation | je 100 x 200 cm | Scherenschnitt, Papier, Discokugelmotor

Für diese dreiteilige Arbeit habe ich zum ersten Mal großformatige, zusammenhängende Scherenschnitte angefertigt. Inhalt ist, wie oft bei meinen Arbeiten, die Auseinandersetzung mit persönlichen Situationen oder Geschehnissen.

Dargestellt sind Schweine- und Rinderteile, die ich in einem Tierzerlegebetrieb zeichnen konnte. Diese Kohleskizzen in Verbindung mit Schrift dienten später als Grundlage für die Schnitte.

Auf-Um-Bruch | 2009 | ___freie arbeiten |

Innere Sicherheit

2009 | Scherenschnitt | Papier, Farbe, Leuchtstoffröhren | 220cm x 150cm

Von Februar 2009 bis Februar 2010 sind insgesamt vier künstlerische Arbeiten zum Thema Sicherheit entstanden: Innere Sicherheit, Definition Sicherheit, Altar und ninehappymuschis.

Alle Arbeiten finden ihren inhaltlichen Ursprung in einer Lesung der „Vagina Monologe“ in Schwerte, die ich mit drei anderen Frauen unter der Regie von Mehrdad Kameneh aufgeführt habe. Die „Vagina Monologe“ stellen, kurz gesagt, in verschiedenen (realen) Interviews Frauen unterschiedlichster ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft vor, die in teilweise schonungsloser Direktheit ihre Erfahrung mit der eigenen Sexualität und Weiblichkeit schildern.

So zeigt meine erste Arbeit Innere Sicherheit ein Selbstportrait mit meiner Hündin auf einem runden Bett, eingerahmt von Kissen, Decken, zahlreichen Mustern und Ornamenten. Geht man von der allgemeinen Definition der „inneren Sicherheit“ aus, so ist damit die Wahrung der Sicherheit innerhalb eines Staates indem seine Menschen leben, gemeint. Diese Sicherheit ist zu beschützen und notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen, denkt man an aktuelle politische Geschehnisse, in denen Terroranschläge und organisierte Gewaltverbrechen an der Tagesordnung sind und deren Ziel es ist, diesen sicheren und geschützten inneren Raum zu bedrohen.

Bezug nehmend auf den Titel „Innere Sicherheit“ erschließt sich bei intensiver Betrachtung eine komplexe Gefühlswelt, eine Welt auf der Suche nach der ganz persönlichen Inneren Sicherheit, die anscheinend nur in dieser intimsten Zone, dem eigenen Bett, zu finden ist. Aber es ist nicht nur der Ort an sich, sondern viel mehr ein mentaler Zustand in den es sich hineingewünscht und hineingeflüchtet wird, eine Art embryonaler Rückzugsort, ein Zustand kindlicher Geborgenheit und Reinheit. Auch ist der Hund nur sinnbildlich zu verstehen, vielmehr steht er hier für etwas Wölfisches, Beschützendes, Ur-Wissendes. Die amerikanische Psychologin Clarissa Pinkola-Estes spricht in ihrem Buch „Die Wolfsfrau“ von „… der Kraft der weiblichen Urinsinkte (…)“.

In diesem Bild ist es vielleicht genau diese Kraft, nach der es sich zu suchen lohnt- nämlich nach einer inneren Stärke und Selbstsicherheit. Vielleicht versinbildlicht ja auch gerade die Fragilität des Scherenschnitts, dieses zwar großen aber doch durchlässigen Netzes aus Linien und Krümmungen die Verletzbarkeit einer solchen inneren Sicherheit.

Innere Sicherheit | 2009 | ___freie arbeiten |

Skizzenschnitte

Ausgereifte Frühstadien – Die abstrakten Scherenschnittarbeiten

Die Künstlerin Jessica Maria Toliver hat sich in mehrjähriger Auseinandersetzung mit der Technik des Scherenschnitts das Vokabular der gegenständlichen Form erschlossen. In (teils) großformatigen Arbeiten begibt sie sich nun darüber hinaus und findet zu biomorphen bis abstrakten, teils archetypischen Strukturen von dynamischer Ausdruckskraft und eindringlicher ästhetischer Wirkung.

Wo man die Kompositionen nicht unbedingt als schön im nur lieblichen Sinne bezeichnen möchte, ist ihnen doch in jedem Fall eine Größe und Klarheit zu Eigen. Der starke Kontrast von Schwarz und Weiß hat in den gewählten Arrangements eine zur Wachheit führende, dynamisierende Wirkung. Das Dickicht der Linie lockt uns, weckt eine Art Abenteuerlust, die erstaunlichen Verästelungen mit den Augen zu erforschen. Jessica Maria Toliver spielt gekonnt mit Symmetrien und deren Brechung, mit Wiederholungen und deren Abwandlung. So ist auch die Linie, der Strich in ihren Arbeiten hoch komplex, in ständiger Bewegung, nie gleich oder gleichförmig und dadurch äußerst lebendig. (…)

Es ist dieses Spiel von Symmetrie und deren Brechung, von Wiederholung und Abwandlung, sowie jene auf steten Wandel beruhende Lebendigkeit der Linie, die bewirken, daß wir uns von Tolivers Scherenschnittobjekten so eigentümlich nah und von innen angesprochen fühlen, handelt es sich hier doch um für das menschliche Leben selbst wesentliche Prinzipien. Das vollkommen symmetrische Gesicht bleibt uns fremd, der exakt wiederkehrende Tagesablauf wirkt ermüdend.

In einer Technik, die traditionell eher dem Kunsthandwerk zugeordnet wird und die wir im Allgemeinen eher mit der Darstellung von Zivilisation oder sogar Idylle verbinden, stellt Jessica Maria Toliver uns Motive vor, denen im wahrsten Sinne des Wortes etwas UN-Heimliches innewohnt, denn wo wir Gestalthaftes ausmachen können, sehen wir eine Figürlichkeit in derber bis obskurer Darstellung, oder Wurm- und Käferartiges, hier und da mit schnurrbarthaarigen Auswüchsen. In einigen Arbeiten ist es „nur“ die Bewegung der Linien die uns ein wehenartiges An- und Abschwellen oder ein urtümliches Wogen und Wälzen erleben lässt. Dann wieder lassen uns die organisch kurvigen Konturen an Zellwelten denken, oder an Bewohner unbekannter Meerestiefen. (…)

So sehen wir graphische Werke von großer ästhetischer Präsenz, die zwischen den Polen von Urenergie und Komplexität dynamisch schwingen und ein optisches Abenteuer, ja ein Faszinosum bilden.

Skizzenschnitte | 2009 | ___freie arbeiten |